· 

#8 Wie fotografiert man in der goldenen Stunde?

Goldene Stunde bezeichnet in der Fotografie die Stunde nach Sonnenaufgang resp. vor Sonnenuntergang. Dieses Zeitfenster bietet tolle Lichtstimmungen sowohl in der Landschafts- als auch Portraitfotografie. Sonnenuntergänge dürften zu den meistfotografierten Motiven gehören. Kein Urlaub ohne Sonnenuntergang-Fotos, und kaum geschossen folgt der Post voller Stolz auf dem eigenen Facebook- oder Instagram-Kanal #sunset #amazing #picoftheday! Genau wie mein Blog-Titelbild nebenan fühlen sich  Sonnenuntergänge beim unmittelbaren live erleben in gelöster Urlaubstimmung fantastisch an. Wirft man zu einen späteren Zeitpunkt wieder ein Blick auf das gleiche Foto... naja... da hat man eben ein weiteres Sonnenuntergang-Foto in der Sammlung, aber der wahre Eyecatcher ist es in der Regel nicht. Erfahre in diesem Bericht, wie du gute Foto vom Sonnenuntergang machst, mit welchen Kameraeinstellungen du am besten fotografierst und auf was du sonst noch achten solltest.

Sonnenaufgang fotografiert in Nottwil am Sempachersee Luzern
(M)ein Sonnenuntergang-Foto, wie man es so oft schon gesehen haben dürfte. Nicht aufregend!

Sonnenaufgang & Sonnenuntergang: Sie gehören einfach zum guten Lebensgefühl dazu

Morgens, wenn ich mit dem Zug zur Arbeit fahre, werde ich je nach Jahreszeit Zeuge von traumhaften Sonnenaufgängen am Sempachersee. Nebelschwaden über dem See erzeugen zudem mystische Stimmungen. Der Fall ist klar: Eine solche Lichtstimmung muss fotografiert werden! Aber was gibt es zu berücksichtigen bei der Fotografie, welche Kameraeinstellungen sollen gewählt werden? Wie gestalte ich mein Bild interessant, so dass es nicht als langweilig und eines von vielen Sunset-Fotos wahrgenommen wird.

Sonnenuntergang fotografieren
Sonnenuntergang auf dem Berg

Wann spricht man von einem guten Sonnenuntergang-Foto?

Natürlich unterscheiden sich die subjektiven Meinungen, was ein gutes Sonnenuntergang-Foto ausmacht! Aber vergleiche bitte mal das Titelbild ganz oben, aufgenommen am Sempachersee, mit dem Foto oben vom Sonnenuntergang in den Bergen, aufgenommen unterwegs im Pilatus-Massiv. Aufgrund der Stimmung und den roten Farbtönen mag das Titelbild kräftiger und intensiver sein. Mir persönlich gefällt das Bergfoto aber um x-Faktoren besser! Es sagt meiner Meinung nach mehr aus. Einmal mehr kommt das Vordergrundmotiv zu tragen (Lektion 5 Bildkomposition), das Foto erzählt ein Geschichte oder lässt zumindest eine erkennen: Da war jemand abends unterwegs in den Bergen auf 2'000 M.ü.M. mit der Kamera... (das war übrigens eine wunderbare Biwak-Nacht! Die Milchstrasse war traumhaft schön zum Fotografieren!)

Sonnenaufgang Fotografieren - Kameraeinstellungen und wie man vor geht

Regel 1 - sich vorbereiten:

Ihr kennt unterdessen meine Denkweise: Es soll bewusst geschehen (siehe Lektion 2)! Eigentlich wie immer bei der Fotografie beginnen gute Fotos mit der Vorbereitung. Die erste Frage ist, wann geht die Sonne überhaupt auf resp. abends wann unter? Es braucht keine Spezialprogramme, um diese Frage zu beantworten. In Apple's Wetter App oder auch in Meteoberichten von Zeitungen steht der Zeitpunkt geschrieben. Die zweite zentrale Frage lautet: Wo kommt der Sonnenaufgang oder -untergang gut zur Geltung. Dazu kann man Landkarten studieren, was aber eher aufwändig ist und in der Realität von der Erwartung abweichen kann. Deshalb mein Vorschlag: Ausprobieren und auf Erfahrungen zurückgreifen. Ist der Fotostandort bekannt, lohnt sich ein Blick auf die Karte dennoch: Es gibt Fragen zu klären wie: Wie laufe ich diesen Standort an? Gibt es in unmittelbarer Nähe andere gute Standorte? etc.

Regel 2 - sich Zeit nehmen:

Grösster Fehler vieler Sunrise- und Sunset-Fotografen ist, dass sie zu knapp zum Zeitpunkt des Geschehens anrauschen! Eigentlich schade, wer die "Goldene Stunde" (die Stunde vor dem Sonnenaufgang) resp. die "Blaue Stunde" (die Stunde nach dem Sonnenuntergang) kennt, weiss um die faszinierenden Lichtstimmungen in diesen Zeitfenstern. Also nehmt euch Zeit, seid eine Stunde früher am Fotostandort, richtet euer Stativ ein, erkundet weitere Standorte, macht euch Gedanken zu Vordergrundmotiven (siehe Lektion "Bildkomposition") und falls ihr gar nichts mehr zu tun habt: Setzt euch einfach hin und geniesst die Stimmung! Fotografie ist für mich persönlich wie Meditation, u.a. genau in solchen Momenten trifft diese Aussage zumindest 100% zu!

Regel 3 - Stativ einsetzen und abblenden auf Blende f/8 (oder mehr):

Weshalb ein Stativ einsetzen? Natürlich würde das Licht ausreichen um aus der Hand zu fotografieren. Falls die Verschlusszeiten zu lange werden, könnte man noch die ISO-Werte hochschrauben. Meine Empfehlung geht in eine andere Richtung: Ich bin überzeugt, wer ein Stativ einsetzt, der fotografiert bewusster resp. setzt sich bewusster mit dem Bildaufbau auseinander.

Zu den Kameraeinstellungen: Ich wähle den AV-Modus (Zeitautomatik), d.h. ich gebe den Blendenwert vor und meine Kamera rechnet dann die Verschlusszeit automatisch. Üblicherweise starte ich bei Blende f/8, evtl. korrigiere ich nach auf f/11. Den ISO-Wert lege ich zu Beginn bei 100 fest. Sollten die Verschlusszeiten zu lange sein, kann der ISO-Wert erhöht werden. Erscheinen meine Fotos auf dem Kameradisplay zu hell, kann man die EV-Belichtungskorrektur reduzieren, dadurch wird das Bild insgesamt dunkler. Die Auslösung erfolgt mit dem Fernauslöser oder mit der 2 Sekunden Verzögerung.

Richtig fokussieren: Setzte dich nochmals mit der Lektion 6 auseinander. Ich wähle in der Regel den Modus "One Shot" bei mittigem Fokuspunkt (bei Canon). Wenn ich nun den mittleren Fokuspunkt genau auf die Sonne ziele (= hellstes Stelle im Bild), wird die Kamera das Bild tendenziell etwas dünkler gestalten. Die Kamera versucht in Halbautomatikprogrammen stets ein "ausgewogenes" Bild zu gestalten. Ziele ich mit dem Fokuspunkt auf eine dunkle Stelle (z.B. im Titelbild auf das dunkle Seeufer) wird die Kamera das Bild aufhellen. Fokussiere auf den Punkt, den du scharf haben möchtest, und korrigiere dann wie oben beschrieben mit der EV-Belichtungskorrektur.

Empfehlung: Einsatz von Filtern

Grauverlaufsfilter: Eine Kamera kann nie den ganzen Dynamikumfang eines menschlichen Auges abbilden. Der Grauverlaufsfilter hilft den Unterschied vom hellen Licht am Himmel und dem unter Umständen dunklen Vordergrund auszugleichen. Alternativ kann der Himmel natürlich auch in der Nachbearbeitung mittels Lightroom korrigiert werden, indem man einen Verlaufsfilter über den Himmel einsetzt und den Inhalt "abdunkelt".

ND-Filter: Diese steigern die kreativen Möglichkeiten. ND-Filter sind bekanntlich nichts anderes als eine "Sonnenbrille für die Kamera", entsprechend ermöglichen Filter das bewusste Verlängern der Verschlusszeiten. Dies macht dann Sinn, wenn man Wasser "neblig" und den Himmel "verwischt" abbilden will. Die nachfolgende Aufnahme eines alten Pier's in Florida ist auf diese Weise entstanden.

Sonnenuntergang in Florida am alten Pier
Naples Beach FL, Old Pier

Produkteempfehlung: Haida-Filter

*Diese Empfehlung enthält Affiliate-Links

In Sachen Filter durfte ich in meinen Fotojahren auch einige Erfahrungen machen. Früher kaufte ich mir Filter zum Aufschrauben. Dies hat den Nachteil, dass je nach Objektivdurchmesser unterschiedliche Filtergrössen gekauft werden müssen, was ordentlich ins Geld gehen kann. Von diesen Aufschraubfiltern verabschiedete ich mich damals eher unfrreiwillig, als meine Kamera im "überstürzten Einsatz" in einen Bergbach fiel und mein geliebter ND1000-Filter dabei zertrümmert wurde.

Ersatz resp. neue Filter mussten her! Bei dieser Gelegenheit setzte ich neu auf Einschubfilter und kaufte das Filter-Starterset von Haida. Einschubfilter haben den Vorteil, dass sie universell anwendbar sind, einzig der Anschlussring muss an das Objektiv passen. Die Einschubfilter von Haida kann ich sehr empfehlen! Sie sind sowohl bei Fotichaestli.ch als auch bei Amazon erhältlich (siehe nachfolgende Links), das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut.

Filter-Starterset von Haida

Einkaufen bei Fotichaestli - Alles rund um die Fotografie - Kaufe Kameras, Objektive, Akkus, Blitze, Stative
Filter-Starterset von Haida

Sonnenaufgang Mont Tendre
Sonnenaufgang auf dem Mont Tendre nach einer verregneten Nacht im Biwak
Sonnenuntergang fotografieren, Kameraeinstellungen
Kameraeinstellungen: AV-Modus, Blende f/8, Verschlusszeit 1/80 Sek., ISO 100 bei einer Brennweite von 70mm

Erstellt: 01.03.2018 | Aktualisiert: 08.03.2018

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Dennis (Donnerstag, 08 März 2018 08:15)

    Wirklich toll wie du dich reinhängen Tust anderen die Fotografie ein wenig näher zu bringen und das kostenlos.....

  • #2

    Rita Oertel (Freitag, 23 März 2018 06:13)

    Vielen Dank Remo Peer, für die schönen Beispielbilder.. Die vielen guten Tipps kann ich im April in meinem Urlaub auf Zypern gut anwenden...