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#5 Grundlagen der Fotografie: Motive und Komposition - die Bildgestaltung

Etwas vom wichtigsten in der Fotografie ist die Bildgestaltung resp. der Bildaufbau. Aspekte wie Vordergrundmotive, die Wahl zwischen Hoch- und Querformat, die Drittelregel, Horizontlagen, Perspektiven,  entscheiden letztlich, ob ein Foto als "schöne Komposition" wahrgenommen wird. Lerne in dieser Lektion, an welche Regeln man sich halten sollte. Habe aber auch den Mut, mal eine Regel bewusst zu brechen.

Lerne im Fotokurs die Bedeutung der Bildgestaltung (Perspektiven, Formate, Regeln)
Die Bildgestaltung ist fundamental in der Fotografie

Regeln in der Bildgestaltung


Gemäss Lehrbuch gibt es bei der Bildgestaltung zahlreiche Regeln, die man beachten sollte. Mein persönlicher Grundsatz lautet: 1. Kenne die Regeln, es hilft diese grundsätzlich zu befolgen 2. Regeln sind da um sie zu brechen und 3. keine Regel ohne Ausnahme! Zumindest die Drittelregelung sollte man kennen sowie sich über die Wirkung von Perspektiven im Bildaufbau bewusst sein. In diesem Kapitel wollen wir uns über folgende Aspekte Gedanken machen:

  • Motivwahl und Vordergrundmotiv
  • Hochformat vs. Querformat
  • Drittelregel
  • Horizontlagen
  • Führungslinien
  • Perspektiven

Die Motivwahl und das Vordergrundmotiv

Versuche das Hauptmotiv ins Zentrum zu stellen. Zu viele Details in einem Bild können den Betrachter irritieren. Viele Einsteiger im Bereich der Landschaftsfotografie neigen dazu, Fotos von entfernten Landschaftszügen (z.B. Gebirgsketten, Seen, Meere etc.) zu schiessen. Oftmals geben dann die Fotos schöne Landschaften wieder, wirken aber beim Betrachten etwas "flau" oder langweilig. Merke dir deshalb den Tipp des Vordergrundmotivs: Nimm - wenn immer möglich - ein Motiv im Vordergrund mit aufs Bild. Zum Beispiel am Meer oder See können das Bäume, Äste, Stege oder grosse Steine sein. Dein Foto wirkt mit Einbezug eines Vordergrundmotivs deutlich interessanter. Im nachfolgenden Beispiel hätte womöglich bereits das interessante Muster im Sand als Vordergrundmotiv ausgereicht, trotzdem liess ich mir es nicht entgehen gleich selbst  als Vordergrundmotiv ins Bild zu stehen - It's selfie time! :-)

Fotografie Landschaftsfotografie ohne Vordergrundmotiv
Landschaftsaufnahme mit Fokus auf das Bodenmuster im Vordergrund
Fotografie Landschaftsfotografie mit Vordergrundmotiv
Landschaftsaufnahme mit Person als Vordergrundmotiv

Hochformat vs. Querformat

Mache dir bereits vor den Aufnahmen Gedanken zum Ausgabeformat und der Verwendung der Fotos. Frage auch deinen Auftraggeber, wie die Fotos verwendet werden. So empfiehlt es sich z.B. bei der Hochzeitsfotografie das Albumformat bereits im Vorfeld mit dem Brautpaar zu besprechen und entsprechend die Fotografie darauf ausrichten. Je nach Themenbereich bieten sich Hoch- und Querformate besser resp. weniger gut an, wobei es wie gesagt keine zwingende Regel gibt. Bei weitwinkligen Fotografien von Landschaften macht es auf den ersten Blick durchaus mehr Sinn, im Querformat zu fotografieren. Baut man bewusst Motive im Vordergrund in das Bild mit ein, kann das Hochformat hervorragend verwendet werden.

Remo's Tipp: Suche nicht nach der Hoch- und Querformat-Regel, sondern mache dir wie in Lektion 2 beschrieben bewusst Gedanken, wie du das Bild gestalten und letztlich verwenden willst!

Querformat vs. Hochformat in der Fotografie
Querformatige Landschaftsaufnahme
Hochformat vs. Querformat in der Fotografie
Hochformatige Landschaftsaufnahme

Die Drittel-Regel

Die Drittel-Regel ist eine einfach Gestaltungsregel. Es werden sowohl waagrecht als auch senkrecht je zwei Linien gezogen, so dass 9 gleichgrosse Felder entstehen. Beim Bildaufbau wird das Motiv auf einen der vier Schnittpunkte ausgerichtet. Bei deiner Kamera kannst du im Sucher resp. auf dem Vorschaudisplay die Drittel-Regel als Hilfslinien anzeigen lassen. Dies hilft dir bestimmt zu Beginn beim Bildaufbau. Mit etwas Erfahrung wirst du die Drittel-Regel intuitiv anwenden. Mittels Bildzuschnitt kann ein Foto nach dieser Regel auch gezielt nachbearbeitet werden.

Drittel-Regel, Raster
Die Drittelregel

Führungslinien

In der Landschaftsfotografie spielen durch die Natur gegebene Führungslinien eine Rolle. Das kann ein Flussverlauf, eine Baum- oder Gebirgskette oder ein Weg am Horizont sein. In unseren Regionen und Breiten betrachtet ein Mensch ein Bild intuitiv von links nach rechts. Das kommt daher, weil wir nach gleichem Muster das Lesen anwenden. Suche in der Natur nach solchen Führungslinien, auch indem du deinen Standort wechselst.

Die Horizontlagen

Durch die Änderung der Perspektive kann man das gleiche Motiv ganz unterschiedlich darstellen. Probiere dies selber aus, indem du dich um ein Motiv/Objekt bewegst, dieses von verschiedenen Blickrichtungen und -winkeln fotografierst. Die Wahl der Perspektive ist nicht mit der Brennweite zu verwechseln, also ob du weitwinklig oder mit einem Telezoom fotografierst. Grundsätzlich kann man drei Horizontlagen unterscheiden:

Mittiger Horizont

Fotografie Bildaufbau Mittiger Horizont
Mittiger Horizont

Einsteiger neigen dazu, Motive und Horizonte mittig zu positionieren. Wie in der Drittel-Regel erfahren, wirkt das Bild interessanter, wenn man das Motiv etwas von der Mitte abrückt. Fotografiert man z.B. eine Bergkette, die sich in einem See spiegelt, kann eine mittiger Horizont angebracht sein.

Hoher Horizont

Fotografie Bildaufbau Hoher Horizont
Hoher Horizont

Hohe Horizonte orientieren sich nach der oberen waagrechten Linie der Drittel-Regel. Der Vordergrund erhält dadurch mehr Beachtung. Die Methode eignet sich gut um dem Bild mehr Tiefenwirkung zu verleihen. Das Bild kann hingegen mit hochliegendem Horizont etwas schwer wirken.

Tiefer Horizont

Fotografie Bildaufbau Tiefer Horizont
Tiefer Horizont

Tiefe Horizonte sind nach der unteren waagrechten Linie der Drittel-Regel ausgerichtet. Entsprechend wird viel Himmel gezeigt. Dies verleiht dem Bild einen Eindruck von viel Weite. Achte dabei auf eine interessante Landschaft im Vordergrund, ansonsten geht diese bei viel Himmel verloren.


Perspektiven

Auch Perspektiven kann man in drei Rubriken einteilen, hier gezeigt im Bereich der Hochzeitsfotografie:

Zentralperspektive

Zentralperspektive in der Fotografie
Zentralperspektive

Bei der Zentralperspektive liegt der Fluchtpunkt in der Mitte. Fotos nach dieser Methode sind sehr symmetrisch aufgebaut. Ein typischen Beispiel ist ein Strassenverlauf.

Mit der Zentralperspektive kann aber auch gemeint werden, dass man das Motiv ohne Winkel - also weder von unten noch von oben - fotografiert. Dieser Fehler wird oft bei Kinderfotos gemacht. Es lohnt sich bei Kindern auf Augenhöhe zu gehen und frontal zu fotografieren.

Froschperspektive

Froschperspektive in der Fotografie
Froschperspektive

Wie es der Name sagt wird bei der Froschperspektive aus der Tiefe fotografiert. Motiven werden damit eine Art von Stärke verliehen. So fotografieren z.B. Medienschaffende Polizei- oder Militärangehörige etc. bewusst aus einer tieferen Perspektive und drücken damit die Authoritäten dieser Institutionen aus.

Vogelperspektive

Vogelperspektive in der Fotografie
Vogelperspektive

Die Vogelperspektive von oben auf ein Motiv herab verleiht dem Bild Übersicht.  Die kann auch bewusst zur Gestaltung "etwas überlegen zu sein" eingesetzt werden.


Lernkontrolle


Aufgabe

Die Aufgabenstellung dieser Lektion ist denkbar einfach. Überlege dir ein Fotomotiv, z.B. im Bereich der Landschaftsfotografie oder Portraitfotografie. Packe deine Kamera, zieh los und fotografiere dein Motiv. Mache dabei jeweils vom gleichen Motiv unterschiedliche Aufnahmen. Habe bei dieser Sequenz nicht den Anspruch, dass du das Bild deines Lebens schiessen wirst. Im Zentrum steht das Ausprobieren:

A) Fotografiere dein Motiv einmal bewusst nach der Drittelregel und einmal nicht nach der Drittelregel.

B) Fotografiere dein Motiv sowohl im Hoch- als auch im Querformat.

C) Fotografiere dein Motiv mit den verschiedenen Horizontlagen.

D) Fotografiere dein Motiv aus verschiedenen Perspektiven.

Lösung & Nachbearbeitung

Wie immer, es geht hier nicht um eine Schulbuch-Lösung. Treffender ist wohl der Begriff "Selbstreflexion". Schau dir deine Fotos auf dem Computer an und lass die Bilder auf dich wirken. Beurteile selbstkritisch, welcher Bildaufbau auf dich angenehm resp. störend wirkt. In den weiteren Fotosessions wirst du dich gelegentlich an den einen oder anderen Tipp von dieser Lektion erinnern, ihn anwenden, teils bewusst, teils unbewusst. Eines steht fest: Mit der Zeit wirst du ein Gefühl für den Bildaufbau entwickeln.

Erstelldatum: 31.01.2018 | Letzte Aktualisierung: 24.02.2018

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