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#4 Grundlagen der Fotografie: Aufnahmeprogramme

Fotokurs: Kameraeinstellungen und Aufnahmeprogramme

Die Aufnahmeprogramme


Eine Spiegelreflexkamera unterscheidet sich von Kompaktkameras und Smartphones grundsätzlich darin, dass gezielt über die Kameraeinstellungen, insbesondere über die verschiedenen Aufnahmeprogramme, auf die Bildgestaltung Einfluss genommen werden kann. Zwar halten auch bei Smartphones zunehmend Kreativprogramme Einzug, diese ermöglichen z.B. bei Portraits Hintergründe unscharf wiederzugeben. Die Einflussnahme ist jedoch längst nicht gleich umfangreich wie bei einer Spiegelreflexkamera. Wenn du nun also eine Spiegelreflexkamera gekauft hast, aber ausschliesslich im Vollautomatik-Modus (grünes Symbol) fotografierst, wirst du damit keinen grossen Unterschied erkennen zu deinen herkömmlichen Smartphone-Fotos. In dieser Lektion geht es darum, den Automatikmodus zu verlassen resp. in Zukunft nicht mehr verwenden zu müssen.

Bedienungsanleitung

Kamera Bedienungsanleitung

Es lohnt sich, die beiliegende Anleitung je nach Stand deines Vorwissens durchzublättern.


Zugegeben, wenn man das erste Mal eine Spiegelreflexkamera in den Händen hält kann es einem schwindlig werden ab all den vielen Knöpfen und Tasten!

 

Die Bezeichnungen für die Aufnahmeprogramme varieren je nach Hersteller, in der Funktion unterscheiden sie sich nicht. Nachfolgend eine kurze Übersicht der grossen drei Kameraproduzenten Canon, Nikon und Sony:

Canon

Canon Modus-Wahlrad

Hersteller Canon Nikon Sony
 Vollautomatik

 Rechteck

(grün)

Auto

(grün)

 Auto

(grün)

Programmautomatik

P

P

P

Blendenautomatik

Tv

S

S

Verschlusszeitautomatik

Av

A

A

Manuelle Belichtung

M

M

M

Langzeitbelichtung

B

M*

M*

* in den manuellen Belichtungseinstellungen wird die Langzeitbelichtung eingestellt.

Nikon

Nikon Modus-Wahlrad

Sony

Sony Modus-Wahlrad

Vollautomatik-Modus

Kameraeinstellungen Aufnahmeprogramme - der Automatik-Modus

In den vollautomatischen Modi regelt die Kamera, wie es der Name sagt, alle Einstellungen automatisch. Der Auto Lighting Optimizer stellt Helligkeit und Kontrast ein. Die Kamera erkennt auch ob sich das zu fotografierende Objekt bewegt und aktiviert in diesem Fall den "AI Servo AF", d.h. die Kamera fokussiert bei halb-durchgedrücktem Auslöser fortlaufend das anvisierte Objekt.

Das mag eindrucksvoll und komfortabel tönen, aber an dieser Stelle folgende Bemerkung: Man kauft sich keine Spiegelreflexkamera, um ausschliesslich im Vollautomatik-Modus zu fotografieren. Empfehlung: Verlasse von nun an diesen Modus und beschäftige dich mit den halb-automatischen oder manuellen Modi. Solltest du mal anstehen und mit deinen Einstellungen einfach nicht zurecht kommen, dann kehre zurück in diesen Modus, drücke den Auslöser halb durch und schaue welche Kameraeinstellungen dir die Kamera vorschlägt.


Die Programmautomatik (P)

Kameraeinstellungen Aufnahmeprogramme - die Programmautomatik

Auch für diesen Modus hält sich die Begeisterung von DLSR-Anwender in Grenzen. Die Programmautomatik wählt Verschlusszeit und Blendenwert automatisch entsprechend der Helligkeit des Motivs. Im Unterschied zum Vollautomatik-Modus können AF-Modus, Betriebsart und andere Funktionen frei eingestellt werden.

Tipp: Die Programmautomatik hat sich in Situationen bewährt, wo man Aufsteckblitze einsetzen musste und sich die Szenen rasch änderten (z.B. auf Hochzeiten beim Einzug der Braut).


Die Zeitautomatik (AV - Aperture Value / Blendenwert)

Kameraeinstellungen Aufnahmeprogramme - die Zeitautomatik (AV-Modus)

Remo's Favorit: Nun wird es interessant mit den zwei nachfolgenden Modi Zeitautomatik (Av) und Blendenautomatik (Tv). Im Modus Av wählst du den gewünschten Blendenwert, die Kamera regelt automatisch die Verschlusszeit und Helligkeit. Wenn du mit einer grossen Blendenöffnung fotografierst (z.B. f/1.4, f/2, f/2.8) erzeugst du einen verschwommenen Hintergrund resp. der Fokusbereich grenzt sich mehr auf den zu fotografierenden Bereich ein. Grosse Blendenöffnungen eigenen sich hervorragend für schöne Portraits. Verwendest du umgekehrt kleine Blendenöffnungen (z.B. f/11 - f/16) desto schärfer wird der Vorder- und Hintergrund des Fotos. Kleinere Blenden setzt man von Vorteil bei Landschaftsaufnahmen ein. Denke stets an das "Foto-Dreieck": Je kleiner die Blende, desto weniger Licht gelangt durch dein Objektiv auf den Sensor, entsprechend verlängern sich die Verschlusszeiten! Setze für wackelfreie Aufnahmen ein Stativ ein. Bei Aufnahmen mit dem Stativ kannst du die Einstellungen bei einem tiefen ISO-Wert von 100 fixieren. Wenn du frei aus der Hand fotografieren möchtest und das Licht schwach ist, kannst du den ISO-Wert erhöhen, damit können dir auch Aufnahmen aus der Hand gelingen.


Die Blendenautomatik (TV - Time Value / Zeitwert)

Kameraeinstellungen Aufnahmeprogramme - die Zeitautomatik (AV-Modus)

In diesem Modus bestimmst du die Verschlusszeit, die Kamera regelt Helligkeit und Blendenwert automatisch. Eine kürzere Verschlusszeit eignet sich für scharfe Momentaufnahmen von Bewegungsabläufen. Je nach Geschwindigkeit der Bewegungsabläufe wird die Verschlusszeit erhöht. Damit kannst du Bewegungen "einfrieren" und es gelingen dir tolle Aufnahmen z.B. von Sportlern, Tieren oder schnellen Autos. Du wirst selber erkennen, ab welchen Verschlusszeiten das Objekt knackig scharf abgebildet wird. Als künstlerischer Effekt kannst du nun auch gewollt die Bewegung zum Ausdruck bringen und das Objekt mit herabsenken der Verschlusszeit leicht unscharf stellen. Du verleihst dem Bild damit eine gewisse Dynamik. Wie du erkennst bieten dir die beiden Modi Av und Tv zahlreiche Einflussmöglichkeiten auf deine Bildgestaltung. Mit etwas Praxiserfahrung wirst du rasch mit den Einstellungen vertraut sein.


Der manuelle Modus (M)

Kameraeinstellungen Aufnahmeprogramme - der manuelle Modus (M)

Im manuellen Modus stellst du die gewünschte Verschlusszeit und den Blendenwert ein. Wenn du den Auslöser halb durch drückst, werden dir sowohl im Sucher als auch auf dem LCD-Display die Belichtungsdaten angezeigt. Z.B. weisst du, wenn das Symbol bei -2 blinkt, dass deine Aufnahme zur Standardbelichtungsstufe zu dunkel wird. In diesem Fall kennst du die Zusammenhänge vom Foto-Dreieck, d.h. du hast nun die Wahl ISO-Wert zu erhöhen, Blende zu öffnen oder eine längere Verschlusszeit zu wählen. Den manuellen Modus benötigt Remo hauptsächlich bei Aufnahmen vom Nachthimmel. In einer separaten Lektion werden die Kameraeinstellungen erklärt.


Der BULB-Modus (B)

Kameraeinstellungen Aufnahmeprogramme - der BULB-Modus (B)

BULB ist englisch und kommt aus der früheren Fotografiezeit, als die Fernauslösung mit einem Blasbalg erfolgte. Im deutschen Sprachraum wird das "B" auch häufig für "beliebig" bezeichnet. In diesem Modus kann man Langzeitbelichtungen von beliebiger Dauer machen (im AV-Modus sind max. 30 Sekunden möglich). Der Verschluss bleibt solange geöffnet, wie der Auslöser durchgedrückt wird. Von Vorteil steuert man diesen Modus mit einem Fernaus-löser. Langzeitbelichtungen sind z.B. für Nacht- oder Feuerwerksaufnahmen geeignet, welche lange Belichtungszeiten erfordern.


Individualfunktionen C1, C2, C3

Auf den Positionen C1 - C3 des Modus-Wahlrads kannst Du bevorzugte Einstellungen speichern. Das kann hilfreich sein, wenn man rasch von einer Einstellung zur andern wechseln will. Wie bei deinem Kameramodell die Speicherung erfolgt, liest du bitte im Handbuch nach. In der Regel stellt man die gewünschte Einstellung ein, geht dann im Kamara-Menü auf Benutzereinstellungen | Registrieren | Auswahl der Taste C1 - C3 | Wert setzen (i.d.R. Taste "Set").

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