· 

#3 Grundlagen der Fotografie: Technisches-physikalisches Verständnis

Online Fotokurs: Technisches physikalisches Verständnis über die Fotografie / Kameraeinstellungen

Welche Kameraeinstellungen?

Welche Kameraeinstellungen muss ich wählen? Kommt dir diese Frage bekannt vor? Bevor wir die Aufnahmeprogramme und Kameraeinstellungen in der nächsten Lektion im Detail kennenlernen, müssen wir uns erst noch einwenig über "Foto-Technik und -Physik" unterhalten. Mir ist bewusst: Dieses technische Kapitel wird wohl wenig Begeisterung auslösen. Das Thema ist trocken! Zudem stehen wir in Lektion #3 und haben noch kein einziges Foto zusammen geschossen. Trotzdem: Dieses Kapitel ist absolut zwingend! Wenn du die technischen, physikalieschen Zusammenhänge der Fotografie verstanden hast, wird dir so manches klar sein in Sachen Kameraeinstellungen beim Fotografieren.

Was nun in den nachfolgenden Zeilen folgt ist keine exakte wissenschaftliche Wiedergabe zum Thema Optik. Wer es genau wissen soll, soll sich ein Physikbuch kaufen. Vielmehr versuche ich dir in meinen eigenen Worten auf einfache, verständliche Art und Weise zu beschreiben, worauf es ankommt.

Wie funktioniert eine Lochkamera?

Stell dir das Funktionsprinzip der Lochkamera wie nebenan abgebildet vor (evtl. erinnerst du dich an eine Physiksequenz in der Grundschule). Durch ein kleines Loch  fällt Licht in die sonst lichtdichte Box ein. Die Lichtstrahlen erzeugen auf der Rückseite der Box ein auf dem Kopf stehendes Bild. Legt man nun auf dieser Rückseite ein lichtempfindliches Papier (z.B. ein Fotopapier) ein, wird das erzeugte Bild festgehalten. Entscheidend ist noch, wie lange man das Loch öffnet und "Licht sammelt", damit das Fotopapier korrekt belichtet wird. Es gibt also stark vereinfacht drei bestimmende Faktoren, die zu einem Bild führen:

  1. Das Loch: Es kann in der Fotografie mit der Linse resp. dem Objektiv verglichen werden. Je nach Wahl des Objektivs entscheidest du, wie du das Licht bündeln willst. Mit dem Objektiv kannst du in zwei Bereichen Einfluss auf deine Bildkomposition nehmen: a) Durch zoomen, z.B. mit einem Teleobjektiv, kannst du das Objektiv grösser (oder kleiner) abbilden. b)  Über die Blendenöffnung kannst du die Schärfentiefe steuern.
  2. Das lichtempfindliche Papier: Es entspricht den heutigen Bildsensoren, welche nichts anderes tun als das einfallende Licht elektronisch in ein Foto umzuwandeln. Mit dem ISO-Wert steuerst du die Lichtempfindlich-keit des Bildsensors.
  3. Die Belichtungszeit: Über diesen Faktor entscheidest du, wie lange "Licht gesammelt" werden soll. Bei den Kameras spricht man von der Verschlusszeit.

Fazit: Wenn du an deiner Kamera die drei Einstellungen Blende, den ISO-Wert und die Verschlusszeit im Griff hast, kannst du gezielt deine Komposition des Fotos steuern.

Lochkamera Funktion Fotografie Grundprinzip
Funktionsprinzip einer Lochkamera

Das "Foto-Dreieck": Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert

"Foto-Dreieck" ist kein offizieller Begriff. Aber du kannst dir einfach was darunter vorstellen. Und wenn du den Zusammenhang dieser 3 Faktoren verstanden hast, kannst du fotografieren! Es gilt folgendes Prinzip: Blende, Verschlusszeit und ISO stehen in gegenseitiger Wechselwirkung!

Zusammenhang zwischen Blendenwert, ISO-Wert und Verschlusszeit
Das "Foto-Dreieck"

Die Blende

Die Blende ist nichts anderes als die "Lochgrösse" im Objektiv, welche durch die Lamellen gebildet werden und durch welche das Licht einfällt (siehe Beispiele unten). Je kleiner die "Zahl" (Auchtung, der Blendenwert wird immer 1/x angegeben!), desto lichtstärker ist ein Objektiv. Preiswerte Objektive in Einsteiger-Kits haben "kleinste" Blenden von f/3.5 bis f/5.6. Teure, lichtstarke Profi-Objektive haben Blendenwerte von z.B. f/2.8, f/1.8 oder f/1.4.

Einstellung des Blendenwerts an einem manuellen Samyang Objektiv
Blendenwerte von f/2 bis f/22

f/2 - Offene Blende

Wie du siehst ist die Blende ganz geöffnet, viel Licht "strömt" durch das Objektiv. Dadurch erzielt man kürzere Verschlusszeiten. Bei offenblendiger Fotografie wird das fokussierte Objekt scharf abgebildet, der restliche Hintergrund wird unscharf. Vor allem Portraits werden mit offenere Blende fotografiert.

f/5.6 -  Abblenden

Die Lamellen schliessen bereits deutlich bei f/5.6, damit gelangt weniger Licht durch das Objektiv, die Verschlusszeit muss verlängert werden. Blenden im mittleren Bereich (zwischen f/5.6 bis f/8) können gut tagsüber bei hellem Tageslicht verwendet werden. Je heller das Licht, desto mehr "blendet man ab" (d.h. Blende schliessen).

f/22 - Geschlossene Blende

Die Lamellen schliessen maximal, dadurch gelangt nur noch wenig Licht durch das Objektiv. Durch eine längere Verschlusszeit wird genügend Licht gesammelt. Darurch wird nahezuh das gesamte Bild scharf abgebildet. Mit maximal geschlossener Blende fotografiert man eigentlich nicht, für Landschaftaufnahmen sind Blenden von f/11 - f/16 empfehlenswert.


Praxisbeispiele zum "Foto-Dreieck"

Um diese theoretischen Ausführungen in die Praxis zu übertragen, machen wir uns zwei Überlegungen:

  • Du möchtest bei Dämmerung Landschaftsaufnahmen machen. Damit das Bild durchgehend scharf ist, wählst du eine kleine Blende (z.B. f/8 oder f/11). Die Blende schliesst nun die Lamellen so stark zu, dass nur noch wenig Licht durch das Objektiv gelangt. Damit du dennoch genügend Licht "sammeln" kannst, hast du nun zwei Möglichkeiten auf die Einstellungen Einfluss zu nehmen: a) Entweder stellst du den Bildsensor empfindlicher ein, d.h. du erhöhst den ISO-Wert (z.B. auf 800) oder b) du belichtest den Sensor länger, indem du die Verschlusszeit länger öffnest (z.B. 1 Sekunde).
  • Du möchtest eine Sportaufnahme oder eine Aufnahme von einem sich rasch bewegenden Objekt machen. Um das bewegende Objekt scharf abbilden zu können musst du eine kurze Verschlusszeit einstellen, z.B. 1/1000 Sekunde. Merke: Je schneller/kürzer die Verschlusszeit, desto mehr "frierst" du eine Bewegung ein. Deine Kamera sammelt also während nur 1/1000 Sekunde Licht! Um dennoch genügend Licht auf deinen Bildsensor zu bringen, hast du wiederum zwei Optionen: a) du öffnest die Blende (z.B. f/4, f/2.8 oder grösser) oder b) du erhöhst den ISO-Wert.

Du siehst also, wenn wir an einer Einstellung etwas ändern, kompensieren wir das mit den anderen beiden Einstellungen. Das kling derzeit alles noch etwas kompliziert, du wirst es aber ganz schnell kapieren sobald wir in der Praxis die ersten Fotos schiessen. Mit diesen Grundkenntnissen wirst du stets wissen an "welcher Schraube" du drehen musst. Mit der Zeit entwickelst du ein Verständnis, welche Grundeinstellungen ungefähr zu wählen sind. Und nun schliesst sich wieder der Kreis zur Lektion 2, wo es darum geht bewusst zu fotografieren. Überlege zuerst immer, was willst du wie festhalten. An zweiter Stelle folgen dann die Kameraeinstellungen, damit du zum gewünschten Resultat kommst.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0